Baubeginn ab Mitte Februar 2022

 

Ab Mitte Februar beginnen die ersten vorbereitenden Arbeiten für die Grundinstandsetzung des Wehr Kleine Weser. Die Stauanlage hält seit Errichtung im Jahr 1968 den Wasserstand im Werdersee, Bremens größtem Stillgewässer und Kernelement im bremischen Hochwasserschutzsystem, konstant. Die Bauzeit wird sich mit längeren Unterbrechungen, auch durch die Sturmflutsaison, über rund drei Jahre erstrecken. Auf Basis der letzten Bauwerksinspektion in 2017 nahm der Bremische Deichverband am linken Weserufer Planungen für eine vollständige Sanierung der Anlage auf, um einen sicheren Betrieb des Wehres für die nächsten Jahrzehnte gewährleisten zu können. Dabei sind die beiden je 24 m breiten Stauklappen neuzubauen und aufwändig tideabhängig von der Wasserseite in das Bauwerk einzusetzen. Einschränkungen der Erreichbarkeiten oder Sperrungen der Verkehrsflächen ergeben sich nur in geringem Umfang bauwerksnah auf dem Deich, der Fußgängbrücke, dem Teerhof und der Straße „Am Deich“.
Der Deichverband leistet mit der Durchführung der Maßnahme einen wesentlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge der Freien Hansestadt Bremen.

 

Bei extremen Hochwasserereignissen in der Mittelweser wird ein Teil des Abflusses über den Werdersee abgeführt, um den Hauptstrom der Weser zu entlasten und dort Schäden zu verhindern. In diesem Fall müssen die Mitarbeiter des Deichverbandes handeln und über die beiden Stauklappen die abzuführende Wassermengen in der Kleinen Weser regulieren.

Rund 50 störungsfreie Betriebsjahre haben an der Flussstauanlage ihre Spuren hinterlassen und sind Auslöser für die Maßnahme.
Die Auswertung der festgestellten Schäden führt zur Grundinstandsetzung der gesamten Anlage, um einen sicheren und dauerhaften Betrieb auch für die kommenden Jahrzehnte sicherzustellen. Die aufwendigste und technisch anspruchvollste Arbeit ist dabei der Austausch der beiden jeweils etwa 55 t schweren Drehsegmentkörper aus Stahl, die jeweils in einem Stück ein- und ausgehoben werden.

Um die Arbeiten durchführen zu können, wird die Wehranlage halbseitig trockengelegt. Dazu werden eigens dafür vorgesehene Revisionsverschlüsse eingebaut, in deren Schutz die Arbeiten sicher ausgeführt werden können. Die eingesetzten Revisionsverschlüsse erlauben den Wasserspiegel des Werdersees während der Dauer des Bauvorhabens konstant zu halten. Dadurch werden Tier- und Pflanzenwelt im Werdersee geschützt und die Nutzung als stadtnahes Naherholungsgebiet ist auch während der Bauarbeiten durchgehend gewährleistet.

Neben den Arbeiten des Stahlwasserbaus werden auch notwendige Arbeiten am Massivbau (Wehrpfeiler und Sohlschwelle) ausgeführt. Zeitgleich erfolgt die energetische Sanierung der Betriebsgebäude, die Reinigung und Instandsetzung der Antriebe sowie eine vollständige Modernisierung der elektrischen Einrichtung und der Steuerungstechnik.

Eine besondere Herausforderung stellt die Durchführung der Arbeiten unmittelbar an der tidebeinflussten Weser dar. Die Weser hat mit über 4 m Tidenhub zwischen mittlerem Tideniedrigwasser und mittlerem Tidehochwasser einen sehr großen Einfluss auf die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse insgesamt und auf diese Baumaßnahme. Einige Arbeitsschritte können aufgrund der wechselnden Wasserstände und aus Gründen der Arbeitssicherheit nur zu bestimmten Zeiten (ausnahmsweise auch in den frühen Morgen- oder in den Abendstunden) durchgeführt werden. Bei den Arbeiten werden sich Geräuschentwicklungen leider nicht gänzlich vermeiden lassen.

Die beengten Verhältnisse in der Örtlichkeit schränken die Erreichbarkeit des Bauwerks ein. Zum Zeitpunkt des Baus der Anlage, Ende der 1960er Jahre war der Teerhof noch gänzlich unbebaut, so dass ausreichend Platz für die Einrichtung einer ortsfesten Kranbahn vorhanden war.
Heute ist der gesamte Bereich dicht bebaut, wodurch die Anlieferung der großen Stahlwasserbau-Elemente ausschließlich über den Wasserweg möglich ist. Die Unterquerung der Bürgermeister-Smidt-Brücke sowie die enge Einfahrt in die Kleine Weser sind unverrückbare Zwangspunkte.

Die Arbeiten an den eigentlichen Wehrkörpern können nur innerhalb der weitgehend sturmflutfreien Monate von April bis September ausgeführt werden. In den übrigen Monaten muss die volle Funktionsfähigkeit beider Wehrfelder für den Hochwasserfall gewährleistet sein. Die Arbeiten werden sich daher über eine Dauer von 2 Jahren erstrecken, da pro Jahr nur ein Wehrfeld bearbeitet werden kann. Die Restarbeiten am Massivbau der Anlage und an den Betriebsgebäuden werden vorraussichtlich bis in das Jahr 2025 dauern. Insgesamt werden nach aktuellem Stand für die Baumaßnahme rund 7,5 Mio. Euro aus städtischen Mitteln investiert.

Die Baumaßnahme führt zu unvermeidbaren Beeinträchtigungen für Anwohner:innen und kleineren Umwegen für Verkehrsteilnehmer:innen. Die Arbeiten sind jedoch für die Sicherstellung des Hochwasserschutzes der Stadt Bremen von großer Bedeutung und daher zwingend erforderlich und unaufschiebbar.